Archiv für das Tag 'Station'

schlimmer als ich dachte

Sandy 8. April 2010

Der gestrige Tag war der einzige Tag in der Woche, an dem wir nicht ins Krankenhaus mussten. Das nutzten wir um noch mal meine Frauenärztin aufzusuchen und ihr von der geplanten Therapie in der Klinik zu erzählen. Anschließend fuhren wir noch in ein Matratzenstudio um für mich eine gute Matratze und Lattenrost zu kaufen. Es stehen mir sehr harte Wochen bevor, wo ich sicherlich oft im Bett liegen werde.

An diesem Morgen durfte ich mal wieder nichts essen, ich sollte nämlich meinen Port eingesetzt bekommen.
Ich hatte gleich früh einen Termin und ich sollte mich auf der Station melden. Ich hatte gar nicht wirklich Angst davor, denn die Ärztin hatte mir schon kurz erklärt wie der Eingriff erfolgt. Was ich bis dahin aber noch nicht wusste: es wird zwar ambulant gemacht, also ohne Narkose, jedoch im OP unter sterilen Bedingungen. Das war für mich ein Schock. Ich dachte der Port wird schnell in einem Behandlungszimmer eingesetzt. Ich sollte jedoch ein Zimmer auf der Station bekommen um mich dort in ein Bett zu legen um dann in den OP gefahren zu werden. Ich bekam totale Angst, weil ich wusste, dass mein Freund nicht mitkommen darf und ich das alleine durchstehen muss. Es hat noch eine ganze Weile gedauert ehe ich in ein Zimmer konnte und trotz der Angst bekam ich natürlich Hunger. Ich fragte mich, wie ich das noch aushalten soll. Als es soweit war musste ich ein OP-Nachthemd anziehen und wurde dann in den OP geschoben. Zum ersten Mal kam ich mir wirklich richtig krank vor. Ich wurde umgebettet und bekam eine Wärmedecke übergelegt. Es dauerte noch eine Weile, ehe sich der Arzt bei mir vorstellte. Meine Panik ließ langsam nach, aber auch nur, weil sich die Narkoseschwester die ganze Zeit mit mir unterhielt. Als ich im OP war konnte ich alles rings rum miterleben. Ich kann mich nur noch an die vielen Schwestern und an den Arzt erinnern, der angeblich der schnellste im Port einsetzen war. Er meinte es dauert ca. 20 Minuten. Ich lag da, der Bereich unter meinem Kopf wurde mit einem Vorhang abgehängt, und lauschte der leisen Musik, die im Hintergrund lief und ließ es über mich ergehen. Es dauerte wirklich nicht lange da sagte der Arzt schon, er näht jetzt die Stelle wieder zu. Ich war erleichtert und froh, dass mein Hungergefühl ausgeschaltet wurde und mir nicht flau im Magen wurde. Dann wurde ich wieder auf ein Bett gelegt und neben zwei anderen Patienten „abgestellt“ und wartete darauf, dass mich die Schwestern von der Station wieder abholen. Es kam mir wie eine Ewigkeit vor und ich bat eine Schwester, ob sie nicht erneut auf der Station anrufen kann, dass ich endlich abgeholt werde. Ein paar Minuten später kamen dann zwei Schwestern und fuhren mich wieder aufs Zimmer. Ich stand sofort auf und wollte schnellstens dieses Nachthemd ausziehen. Ich zog mich also wieder an und stellte fest, dass meine ganze linke Seite von dem Desinfikationsmittel rot war. Anschließend setzte ich mich mit meinem Freund auf eine der vielen Bänke, die im Klinikflur standen, und aßen erstmal Frühstück. Ich war erleichtert, dass ich es hinter mir hatte aber der Gedanke an den nächsten Tag trübte meine Gedanken wieder. Ich sollte nämlich die erste Chemo bekommen: Taxol. Aufgrund meiner Angst Erbrechen zu müssen hatte ich gleich nach dem Port einsetzen noch einen Termin bei der Psychoonkologin. Ich erzählte ihr von meinen Ängsten und anschließend machten wir noch eine Entspannungsübung. Danach ging es mir wirklich besser und ich fühlte mich richtig gestärkt für die erste Chemo. Dann folgte noch ein Gespräch mit der Brustkrankenschwester. Sie klärte mich noch mal über die Nebenwirkungen auf. Bei Taxol sind diese nicht ganz so stark. Kaum Übelkeit, Haare fallen auch noch nicht aus sondern werden lediglich dünner, dafür aber Kribbeln/Taubheitsgefühl in den Händen und Füßen und evt. Nagelverlust. Ich war erleichtert, dass ich mit Übelkeit kaum rechnen muss. Ich bekam noch eine spezielle Handcreme und einen Nagelhärter, damit die Nägel hoffentlich bleiben. Und eine Liste mit Adressen für Perückenstudios. Damit wollte ich mich aber noch nicht auseinandersetzen. Anschließend fuhren wir endlich nach Hause und das Gefühl das ich nach der Entspannungsübung hatte verschwand langsam wieder und die Angst rückte wieder in den Vordergrund.

Biopsie

Sandy 27. Oktober 2009

Am Tag der Biopsie war ich natürlich extrem aufgeregt. Mein Freund begleitete mich ins Krankenhaus. Wir mussten sehr früh aufstehen, weil ich ja um sieben Uhr bei der ersten Anmeldung sein sollte. Ich wusste aber, dass es dort immer sehr voll war und wollte schon vor sieben Uhr da sein.
Am Abend zuvor hatten wir extra spät Abendbrot gegessen und es gab einen Tortellini-Auflauf, weil ich mir dachte, der sättigt gut und hält am nächsten Morgen vielleicht noch ein bisschen an.
Also waren wir ca. dreiviertel sieben im Krankenhaus und es saß dort bereits ein anderes Pärchen bei der Anmeldung. Bis um sieben Uhr füllte sich der Wartebereich sehr schnell und ich dachte mir gut dass wir schon früher da waren. Um Punkt sieben Uhr wurde die Erste aufgerufen. Da es wohl ein stationärer Aufenthalt war dauerte es sehr lange… Ich wurde schon langsam ungeduldig… Dann wurde noch eine zweite Anmeldung aufgemacht, die jedoch zunächst bestimmte Patienten namentlich aufrief. Da aber nicht alle von denen anwesend waren, war ich dann doch bald dran. Ich sah noch eine andere Frau mittleren Alters im Wartebereich, die den gleichen Zettel zur Aufklärung der Biopsie in den Händen hielt und wusste, dass sie die andere „Sieben-Uhr-Patientin“ ist.
Jedenfalls wurde ich dann angemeldet, dann musste ich in das Brustzentrum auf die Station, wo ich mich dann noch mal bei einer Schwester anmelden musste. Da wurde dann noch Blutdruck und Fieber gemessen. Nun hieß es, auf die Ärztin zu warten. Das bedeutete wirklich warten, warten und noch mal warten. Mittlerweile war auch schon die andere Patientin da und es war klar, dass ich nicht unbedingt vor sieben Uhr da sein hätte müssen. Naja, so langsam fing mir an, der Magen zu knurren, aber Gott sei dank wurde mir noch nicht flau oder schlecht. Ich ging im Gang auf und ab um mich abzulenken und eine Krankenschwester erkundigte sich wo denn die Ärzte bleiben. Die sind noch bei der Visite, wenn ich wollte könnte ich aber einen Schluck Wasser trinken und ein Stück Traubenzucker essen. Das tat ich dann auch und dann kam auch endlich das „Ärzteteam“. Es bestand aus den beiden Ärztinnen, die mich bereits untersucht hatten. Dann ging alles relativ schnell, ich ging ins Behandlungszimmer, musste mich hinlegen, dann wurde die Stelle an meiner Brust örtlich betäubt. Dennoch tat es höllisch weh, es wurden insgesamt drei Gewebeproben entnommen und jedes Mal gab es einen lauten Knall verbunden mit einem unangenehmen Schmerz. Währenddessen meinte eine der Ärztinnen, dass die Proben so aussehen, wie sie bereits bei den Untersuchungen schon feststellten, also dass es nichts Bösartiges ist. Ich wunderte mich nur, dass man das schon anhand der Proben erkennen kann.
Jedenfalls bekam ich dann einen Druckverband, der 24 Stunden dranbleiben musste, da ich am darauf folgenden Tag einen Termin bei meiner Frauenärztin hatte, sollte sie ihn dann abmachen.
Ich musste dann noch auf den Arztbrief warten und konnte endlich etwas essen. Ich hatte mir Tee und Nutellabrote mitgenommen. Dann warf die Krankenschwester noch einen kurzen Blick auf den Verband, gab mir den Brief für meine Frauenärztin und wir konnten endlich nach Hause fahren.
Ich war erleichtert, dass ich die Zeit ohne Essen so gut überstanden hatte und war sehr zuversichtlich, dass ich bald Bescheid weiß, dass alles in Ordnung ist und ich endlich anfangen kann meine Schwangerschaft zu genießen.