Archiv für das Tag 'Fieber'

11 weitere Zyklen Taxol

8. April 2011

Die Behauptung, dass sich die Verträglichkeit von Taxol von mal zu mal verschlimmert, konnte die Ärztin eine Woche später ausräumen. Ich war erleichtert, als sie mir erklärte, dass es ein „auf und ab“ ist. Das heißt, die Chemo fließt in den Körper, wird dann aber nach und nach wieder ausgeschieden, so dass es beim nächsten Zyklus wieder von vorne losgeht.

Vor der Chemo musste ich noch ins Labor, dort wurde mir ein bisschen Blut aus dem Finger genommen um meine Blutwerte zu bestimmen. Es war alles in Ordnung, ich konnte die zweite Chemo bekommen.

 

Am Tag danach wachte ich mit erhöhter Temperatur auf. Ich war sehr besorgt. Wenn man Fieber kriegt, soll man sich nämlich beim Arzt vorstellen. Ich wusste nicht was ich machen sollte, also wartete ich erstmal ab.

Im Laufe des Vormittages blieb die Temperatur unter 38Grad Celsius. Da es ja ein Samstag war, konnte ich auch nicht mal eben zur Ärztin, sondern hätte in die Rettungsstelle fahren müssen. Darauf hatte ich keine Lust, wer weiß wie lange ich da warten muss.

Ab dem späten Nachmittag stieg die Temperatur über 38Grad an. Erst hatte ich noch gefröstelt aber dann fing ich an zu schwitzen. Ich beschloss, mich ins Bett zu legen und die ganze Sache auszuschwitzen. Das funktionierte auch ganz gut, nachdem ich mich in der Nacht mehrmals umziehen musste war die Temperatur am nächsten Morgen wieder runter und ich fühlte mich besser.

Letztlich konnte mir auch keiner sagen was das war. Normalerweise gehört Fieber jedenfalls nicht zu den typischen Nebenwirkungen von Taxol.

Ansonsten hatte ich noch 2mal Durchfall, aber das fand ich normal.

 

So verging Woche für Woche. Und das erstaunlicherweise ziemlich schnell. Freitags Chemo, samstags ausruhen, sonntags ein bisschen die Natur genießen. Unter der Woche mit Freunden / Familie treffen und schon war die Woche vorbei und es war wieder „Chemo-Freitag“.

 

In der Woche nach der 5. Gabe hatte ich einen Termin zur Perückenberatung. Meine Haare sind zwar noch nicht ausgefallen aber sie wurden immer dünner.  Es wurde mir gesagt, dass meine Haare während der –noch bevorstehenden- EC-Chemo auf jeden Fall ausgehen würden. Und eine Perücke sollte man sich lieber aussuchen wenn man noch Haare auf dem Kopf hat. So kann der Friseur die Haarfarbe und den Schnitt sehen.

Ich hatte überhaupt keine Lust auf diesen Termin. Ich hatte generell überhaupt keine Lust auf eine Perücke.

Meine Brustkrankenschwester hatte mir jedoch empfohlen eine anfertigen zu lassen, ob ich sie dann trage werde ich ja dann sehen.

Also fuhren mein Freund und ich in einen Friseursalon in dem sich der Chef auf Perückenberatung spezialisierte.

Er maß meinen Kopfumfang und bestimmte meine Naturhaarfarbe. Er empfahl mir noch eine 2. Haarfarbe für die Perücke, am besten blonde Strähnen, da es dann natürlicher wirkt.

Dann sahen wir uns mehrere Kataloge an und ich sollte aus den verschiedenen Modellen möglichst viele heraus suchen, die für mich in Frage kommen würden, er würde dann gucken welche er bestellen kann.

 

Am Tag der 6. Gabe Taxol hatte ich noch einen weiteren Termin: Feindiagnostik!!!

Bisher waren ja alle Ultraschalluntersuchungen in Ordnung gewesen, was mich auch jedes Mal erleichterte aber bei der Feindiagnostik werden ja sämtliche Organe des Kindes untersucht. Ich hatte wirklich Angst davor. Angst davor, zu erfahren, dass irgendwas nicht in Ordnung ist mit meinem Baby. Schreckliche Angst.

Am Abend zuvor bin ich noch mit meinem Freund spazieren gegangen um irgendwie runterzukommen. Er hat versucht mich ein bisschen zu beruhigen und mir Mut zu machen. Aber ich ließ mich nicht beruhigen. Nicht bevor ich wusste, dass alles in Ordnung ist.

 

Diese Bestätigung gab mir die Ärztin am nächsten Tag. Mir fiel ein Stein vom Herzen, ich weinte Freudentränen. Es ist alles in Ordnung mit meinem Baby. Es wird ein Mädchen.

 

Am nächsten „Taxol-Freitag“ hatte ich zusätzlich einen Brust-Ultraschall Termin. Ich hatte ja schon nach der zweiten Gabe Taxol gespürt, dass der Knoten nicht mehr ganz so groß war und die Untersuchung bestätigte es. Deswegen wurde er an diesem Tag „markiert“. Mit einer langen Nadel wurde mir am Tumor ein Clip eingesetzt, damit das Tumorgebiet später bei der Operation auffindbar ist, sollte der Tumor komplett verschwinden.

Meine Freude war sehr groß. Ich konnte davon ausgehen, dass ich die Chemotherapie nicht umsonst machte sondern sie ihre Wirkung zeigte.

Meine Hoffnung, die Chemotherapie abkürzen zu können, wurde leider zerschlagen. Selbst wenn der Tumor auf dem Monitor nicht mehr zu sehen ist, können sich trotzdem noch kleine Zellen dort oder im Körper befinden.

 

 

So vergingen die Wochen. Einerseits wollte ich, dass die Taxol Therapie ein Ende nimmt andererseits hatte ich schreckliche Angst vor der darauf folgenden Therapie: EC (Epirupicin und Cyclophosphamit) Diese sollte ich 4x alle drei Wochen bekommen. Also sah ich dem Ende von Taxol mit gemischten Gefühlen entgegen. Aber ich wollte nun endlich –nach 12 Wochen-  eine Veränderung meines Alltags. Nicht mehr jeden Freitag den halben Tag in der Klinik verbringen.

Äußerlich hatte ich nun zwei Veränderungen: Mein Bauch wurde dicker und meine Haare dünner….

 

Biopsie

27. Oktober 2009

Am Tag der Biopsie war ich natürlich extrem aufgeregt. Mein Freund begleitete mich ins Krankenhaus. Wir mussten sehr früh aufstehen, weil ich ja um sieben Uhr bei der ersten Anmeldung sein sollte. Ich wusste aber, dass es dort immer sehr voll war und wollte schon vor sieben Uhr da sein.
Am Abend zuvor hatten wir extra spät Abendbrot gegessen und es gab einen Tortellini-Auflauf, weil ich mir dachte, der sättigt gut und hält am nächsten Morgen vielleicht noch ein bisschen an.
Also waren wir ca. dreiviertel sieben im Krankenhaus und es saß dort bereits ein anderes Pärchen bei der Anmeldung. Bis um sieben Uhr füllte sich der Wartebereich sehr schnell und ich dachte mir gut dass wir schon früher da waren. Um Punkt sieben Uhr wurde die Erste aufgerufen. Da es wohl ein stationärer Aufenthalt war dauerte es sehr lange… Ich wurde schon langsam ungeduldig… Dann wurde noch eine zweite Anmeldung aufgemacht, die jedoch zunächst bestimmte Patienten namentlich aufrief. Da aber nicht alle von denen anwesend waren, war ich dann doch bald dran. Ich sah noch eine andere Frau mittleren Alters im Wartebereich, die den gleichen Zettel zur Aufklärung der Biopsie in den Händen hielt und wusste, dass sie die andere „Sieben-Uhr-Patientin“ ist.
Jedenfalls wurde ich dann angemeldet, dann musste ich in das Brustzentrum auf die Station, wo ich mich dann noch mal bei einer Schwester anmelden musste. Da wurde dann noch Blutdruck und Fieber gemessen. Nun hieß es, auf die Ärztin zu warten. Das bedeutete wirklich warten, warten und noch mal warten. Mittlerweile war auch schon die andere Patientin da und es war klar, dass ich nicht unbedingt vor sieben Uhr da sein hätte müssen. Naja, so langsam fing mir an, der Magen zu knurren, aber Gott sei dank wurde mir noch nicht flau oder schlecht. Ich ging im Gang auf und ab um mich abzulenken und eine Krankenschwester erkundigte sich wo denn die Ärzte bleiben. Die sind noch bei der Visite, wenn ich wollte könnte ich aber einen Schluck Wasser trinken und ein Stück Traubenzucker essen. Das tat ich dann auch und dann kam auch endlich das „Ärzteteam“. Es bestand aus den beiden Ärztinnen, die mich bereits untersucht hatten. Dann ging alles relativ schnell, ich ging ins Behandlungszimmer, musste mich hinlegen, dann wurde die Stelle an meiner Brust örtlich betäubt. Dennoch tat es höllisch weh, es wurden insgesamt drei Gewebeproben entnommen und jedes Mal gab es einen lauten Knall verbunden mit einem unangenehmen Schmerz. Währenddessen meinte eine der Ärztinnen, dass die Proben so aussehen, wie sie bereits bei den Untersuchungen schon feststellten, also dass es nichts Bösartiges ist. Ich wunderte mich nur, dass man das schon anhand der Proben erkennen kann.
Jedenfalls bekam ich dann einen Druckverband, der 24 Stunden dranbleiben musste, da ich am darauf folgenden Tag einen Termin bei meiner Frauenärztin hatte, sollte sie ihn dann abmachen.
Ich musste dann noch auf den Arztbrief warten und konnte endlich etwas essen. Ich hatte mir Tee und Nutellabrote mitgenommen. Dann warf die Krankenschwester noch einen kurzen Blick auf den Verband, gab mir den Brief für meine Frauenärztin und wir konnten endlich nach Hause fahren.
Ich war erleichtert, dass ich die Zeit ohne Essen so gut überstanden hatte und war sehr zuversichtlich, dass ich bald Bescheid weiß, dass alles in Ordnung ist und ich endlich anfangen kann meine Schwangerschaft zu genießen.