Der Untersuchungsmarathon
Sandy 12. März 2010
Also rief ich Montag früh um acht in der Klinik an und erklärte meine Zustimmung für die Behandlung dort.
Am Wochenende hatten wir noch mal mit unseren Eltern darüber gesprochen, wo ich mich behandeln lassen sollte. Es gab Vor- und Nachteile. Letztlich überwiegten die Vorteile für die Klinik. Dort sind nämlich alle Stationen zusammen, ich kann dort operiert werden und auch entbinden. Hätte ich mich für das Brustzentrum entschieden, würde zwar die Chemo dort verabreicht werden aber ich hätte zur OP und zur Entbindung in ein anderes Krankenhaus gemusst. Natürlich gab es in der Klinik nicht dieses „gemütliche Flair“ wie im Brustzentrum, dafür war die Erfahrung des Chefarztes der Klinik größer. Und das war das entscheidende Argument: nicht die erste zu sein, bei der während der Schwangerschaft Brustkrebs behandelt wird.
Die Brustkrankenschwester freute sich über meine Zustimmung. Sie wollte alles für die so genannte „vorstationäre Aufnahme“ regeln, die am morgigen Tag stattfinden sollte. Es müssen noch einige Untersuchungen stattfinden usw., sie wollte mich dann noch mal anrufen und sagen wann es losgeht.
Mein Freund und ich freuten uns noch über den „freien“ Montag, den wir nun hatten, ehe das Telefon klingelte und die Brustkrankenschwester meinte wir sollen doch jetzt sofort in die Klinik kommen. Am Montag ist immer „Tumorboard“, d.h. dort werden Fälle besprochen und wie die jeweilige Therapie aussieht. Und wenn ich erst am Dienstag aufgenommen werde, würde mein Fall erst am nächsten Montag besprochen werden und solange kann nicht mehr gewartet werden.
Also machten wir uns schnell fertig und fuhren los.
Wir suchten die Station auf und ich meldete mich bei der Schwester. Von diesem Moment an begann dann der „Untersuchungsmarathon“. Zunächst wurde eine Akte für mich angelegt, dazu wurden die üblichen Fragen gestellt: Name, Anschrift, Geburtsdatum, Hausarzt, Gewicht, Größe, Vorerkrankungen, Medikamentenallergien usw. Ich musste einige Einverständniserklärungen unterschreiben. Der noch ausstehende Befund war dann auch mittlerweile eingetroffen und eine Ärztin besprach diesen mit uns. Der Tumor ist sehr schwach hormonabhängig, bedarf aber keiner Hormontherapie, jedoch eine Antikörpertherapie – Herceptin – ein Jahr lang. Diese kann jedoch nicht während der Schwangerschaft verabreicht werden, da es schädlich für das Kind sein kann.
Im Anschluss wurde ich dann noch zur Mamma-Sonografie geschickt, damit es in der Klinik auch einen Befund gibt. Bisher habe ich ja nur „externe“ Befunde vorgelegt.
Also hieß es wieder warten… Der Radiologe, der mich untersuchte, war sehr nett. Er stellte nur das fest was ich schon wusste (wobei man ja anscheinend vorher nicht erkennen konnte dass es bösartig ist). Mittlerweile war der Tumor schon 2,7 cm an der größten Stelle, was bedeutete, dass er sehr schnell wächst, denn bei der letzten Untersuchung, die gerade mal eine Woche zurückliegt, war er einige mm kleiner. Er erklärte uns noch, dass er auch beim Tumorboard dabei wäre und verabschiedete sich von uns.
Für diesen Tag war es das dann gewesen, allerdings ging es am nächsten Tag weiter. Zuerst wurde ich noch mal untersucht, also abgetastet. Die Stelle an der Brust wurde gekennzeichnet und fotografiert.
Anschließend war endlich „Babygucken“ angesagt. Darauf freute ich mich schon den ganzen Tag. Bisher kannte ich es ja nur auf einen kleinen schwarz-weißen Monitor mein Kind zu sehen. In dieser Klinik gab es einen großen Monitor an der Wand auf dem man alles schön groß sehen konnte. Trotz der Freude hatte ich aber auch Angst vor der Untersuchung. Wie geht es meinem Kind, ist alles in Ordnung? Wird es die Chemotherapie gut überstehen? Ich war froh, dass ich es behalten konnte, aber ich machte mir natürlich auch Sorgen. Die Ärztin untersuchte alles ganz genau. Es gab keine Auffälligkeiten, das Baby war zeitgerecht entwickelt. Mir fiel ein Stein vom Herzen aber ich wusste, dass ich vor jedem Ultraschall diese Angst haben werde, dass irgendwas nicht in Ordnung ist.
Anschließend waren noch weitere Untersuchungen angesagt: EKG, MRT Herz, und Oberbauch-Sonografie. Zwischendurch erklärte uns meine zuständige Ärztin noch das Tumorbord-Protokoll vom vorherigen Tag. Ich soll zunächst 12x Taxol wöchentlich bekommen danach 4x EC (Epirupicin, Cyclophosphamid) alle 3 Wochen bekommen. Dann ist die Entbindung in der 32. – 34. Woche per Kaiserschnitt geplant. Anschließend die Brust-OP, danach Bestrahlung und Herceptin. Am meisten Angst hatte ich zunächst vor der Chemotherapie, ich wusste nicht was auf mich zukommt und wie es mir gehen wird. Meine generelle Angst vorm Erbrechen machte die ganze Sache nicht leichter.
Das einzig Positive an diesem anstrengenden Tag war, dass bei allen Untersuchungen herauskam, dass offensichtlich keine weiteren Organe befallen sind.




